Skoliose

Skoliose (griech. skolios = krumm) ist eine Seitverbiegung der Wirbelsäule in frontaler Ebene bei gleichzeitigem Vorliegen einer Verdrehung (Rotation, Torsion) der Wirbelkörper, welche von den Betroffenen aktiv nicht mehr vollständig aufgerichtet werden kann (Teilfixierung). Per Definition spricht man erst ab einer Verkrümmung von 10 Grad nach COBB von einer Skoliose.

Krümmungen unter 10 Grad und/oder Krümmungen ohne ein gleichzeitiges Vorliegen einer Wirbelsäulenrotation sowie Fehlstellungen, die aktiv noch vollkommen aufrichtbar sind, werden als skoliotische Fehlhaltung oder skoliotische Haltungsschwäche bezeichnet. Hierbei handelt es sich lediglich um Wirbelsäulenassymmetrien ohne besonderen Krankheitswert, die als in der Norm liegend betrachtet werden können.

Nicht zu verwechseln ist die skoliotische Verkrümmung mit den normalen physiologischen Kurven der Wirbelsäule (Brustwirbelsäulen-Kyphose, Lendenwirbelsäulen-Lordose ...), die bei seitlicher Betrachtung zu sehen sind.

Eine skoliotische Seitverbiegung geht ab eines bestimmten Ausmaßes immer auch mit einer Rotation der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte einher (Ausnahmen existieren unter den sekundären Skoliose Formen). Der jeweils am stärksten rotierte Wirbel liegt etwa auf Höhe des Bogenscheitels (Bogenmitte) und wird daher auch als Scheitelwirbel bezeichnet. Die beiden am stärksten zueinander geneigten Wirbel ober- und unterhalb eines Bogens werden als Neutralwirbel bezeichnet.
Die rückseitig gelegenen Elemente der Wirbel drehen sich immer zur konkaven (inneren) Seite des Bogens, so dass die Dornfortsätze in Richtung der gedachten Ideallinie der Wirbelsäule zeigen. Die Wirbelkörpervorderseiten drehen zur konvexen (äußeren) Seite des Bogens. Da die Rippen mit den Wirbelkörpern verbunden sind und sich mit ihnen drehen, entsteht im Brustwirbelsäulenbereich an der Konvexseite der Krümmung ein Rippenbuckel, auf der Gegenseite (Konkavseite) ein Rippental.

Die skoliotische Wirbelsäule bildet meist 3 oder 4 Bögen aus, die einander gegenläufig sind und sich kompensieren, so dass ein skoliotisches Gleichgewicht entsteht. Man unterscheidet zwischen den Hauptkrümmungsbögen und den darüber und darunter befindlichen Ausgleichskrümmungen. Die Hauptkrümmungen sind die Krümmungen stärksten Ausmaßes. Sie sind durch strukturelle Veränderungen gekennzeichnet, welche sich durch eine Teilfixierung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts und durch Verlust der vollständigen Aufrichtbarkeit bemerkbar machen. Die Ausgleichskrümmungen sind kleineren Ausmaßes und haben funktionellen Charakter. Sie kompensieren die Hauptkrümmungen, um das Körpergleichgewicht aufrecht zu erhalten. Sie sind nicht fixiert und bei Beseitigung der Hauptkrümmung/en oder Aufhebung des skoliotischen Gleichgewichts vollständig aufrichtbar (Bending-Aufnahme).

Analog dieser Definition unterscheidet man auch die sog. strukturelle Skoliose von der funktionellen Skoliose. Bei der funktionellen Skoliose kommt es durch eine Beinlängendifferenz oder einer anderen Zwangshaltung (z.B. aufgrund von Schmerzen) zu einer Seitverbiegung der Wirbelsäule. Diese Verbiegung verschwindet nach Beseitigung des auslösenden Faktors (Ausgleich der Beinlängendifferenz, Behandlung der Grunderkrankung) und ist somit keine echte Skoliose.

Das Krümmungsmuster ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Je nach Lage der Hauptkrümmung/en können Skoliosen jedoch grob in vier Gruppen unterteilt werden:

 

  • Thorakale Skoliose: Hauptkrümmungsbogen im Brustwirbelsäulenbereich
  • Lumbale Skoliose: Hauptkrümmungsbogen im Lendenwirbelsäulenbereich
  • Thorakolumbale Skoliose: Hauptkrümmungsbogen im Übergangsbereich von Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Doppel-S-Skoliose (engl. Double-Major): Zwei Hauptkrümmungsbögen in Brust- und Lendenwirbelsäule

Quelle: http://www.skoliose-info-forum.de/kb.php?mode=cat&cat=2